Michael Häupl und die Bank Austria

Vor kurzem hat sich der Wiener Langzeit-Bürgermeister Michael Häupl von seinen politischen Wegbegleitern tränenreich und emotional verabschiedet. Die üblichen, überschwänglichen Lobeshymnen werden in einigen Jahren von Historikern relativiert werden. Seine Schlagfertigkeit, seine Sprüche und sein Schmäh werden bald verblassen. Was bleibt sind historische Weichenstellungen, Großprojekte und Entscheidungen, die die Stadt nachhaltig beeinflusst haben - positive wie negative. Die Verschandelung der Stadt mit einer Vielzahl von problematischen Dachgeschosswohnungen, dem architektonisch nicht gelungenen Justizzentrum und der hässlichen Verbauung von Wien Mitte, sowie dem problematischen Heumarkt-Projekt, das dem "Weltkulturerbe" zuwiderläuft, ist in seiner Amtszeit passiert bzw. hingenommen worden.

Der gelernte Biologe und Vollblutpolitiker war in wirtschaftlichen Fragen von seinen Einflüsteren und Beratern abhängig. Die Causa Bank Austria war eine beispiellose Wertvernichtung.

Die Zusammenführung der dominanten und selbstbewussten Zentralsparkasse der Gemeinde Wien mit der Länderbank und der “monetären Visitekarte “ Creditanstalt - Bankverein war aus Strukturüberlegungen des hypertrophen Banksektors durchaus gerechtfertigt. Die weiteren Schritte, wie die Übernahme durch die weit überschätzte bayrische HVB, München, und darnach durch die italienische UniCredit, führten zu einer gigantischen Wertevernichtung und Marginalisierung des österreichischen Einflusses. Geschickt wurde jede Transparenz durch die Konstruktion der AVZ-Stiftung vermieden. Breits 2012 schrieb die kritische Journalisten Andrea Hodoschek  im “KURIER”, dass vom Wert 2001 von 1,7 Milliarden EURO fast nichts übrig geblieben ist.

Gerhard Randa, der vor kurzem als CEO der russischen Sber - Bank in Pension ging, konnte Michael Häupl, der durch die Verluste der Bank Burgenland und die daraus resultierenden Landes-Haftungen beunruhigt war, zu diesen fatalen Schritte überreden. Der damalige Koalitionspartner ÖVP sah primär den daraus resultierenden Machtverlust der SPÖ, nicht aber die Nachteile für den Wirtschaftsstandort.

Das interessante Ostgeschäft wurde nach Italien abgezogen, die großzügigen Pensionsverpflichtungen wurden mit einer Abschlagszahlung der Allgemeinheit übertragen und im großen Umfang stille Reserven durch den Verkauf von Liegenschaften - allen voran die Zentralen Am Hof und in der Schottengasse - , und von Beteiligungen realisiert. Die Wiener Städtische Versicherung bzw. die VIG wurde präferierter Partner der Erste Group Bank.

Wofür Michael Häupl nichts kann, ist,  dass sich die BANK AUSTRIA-Minderheitsaktionäre mit der UniCredit seit zehn Jahren wegen einer angemessenen Barabfindung für ihre Aktien herumstreiten müssen. Das ist eine eigene, lange und unerfreuliche Geschichte, die viel Ärger bei den Betroffenen auslöste und ein Beweis dafür ist, dass Rechtsdurchsetzung in Österreich sehr mühsam sein kann.

Datum: 03.07.2018 Autor: IVA-Redaktion
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